Khoy – Living on the Edge

Story: Nun ging es in den Iran. Der Tag fing verhext an. Am Morgen hatten wir uns ein bisschen verfahren. Die 5 Minuten Umweg hatten mich bereits genervt. Und dann zog auch noch Nebel auf, sodass wir nichts von der schönen Berglandschaft der Türkei sehen konnten. Immerhin verlief der Grenzübergang reibungslos. Dieses Mal hatten wir mehr Papierkram zu erledigen, weil wir das erste Mal den Carnet de Passage Link Adac (Reisepass für das Auto) nutzen mussten. Aber auch das war problemlos. In Khoy im Iran mussten wir Geld tauschen, da Emmas Tank fast leer war. Wir mussten erfahren, dass Banken kein Geld tauschen. Ein Einheimischer hatte uns entdeckt und uns netterweise durch die Stadt zur Wechselstube eskortiert. Hierbei fand die erste Katastrophe statt. Beim Parken bin ich leicht mit dem Fahrradträger gegen eine Wand gefahren. Dabei hat sich der Träger gestreckt und ist samt Fahrrädern von der Heckklappe abgefallen. Dadurch wurden die unteren Befestigungsmittel verbogen. Wir haben uns nicht viel dabei gedacht und haben den Träger wieder notdürftig angehängt.

Anschließend hat uns unser neuer Freund noch weiter zur Tankstelle begleitet. Wir haben vollgetankt und uns gefreut, dass wir für einen vollen Tank 10 € bezahlt haben. Die Freude hielt nicht lang. Nach 20 km bemerkte ich, dass irgendetwas an der Emma nicht richtig funktioniert. Es hat immer wieder geruckelt und der Motor machte komische Geräusche. Dann fuhren wir über eine Bodenschwelle… Im Rückspiegel sah ich nur noch den Fahrradträger samt SUP und Rädern davonfliegen. Zum Glück war keiner hinter uns. Es waren fast 0 Grad und es hat geregnet. Alles war matschig und ich habe versucht den Träger für die Weiterfahrt gerade zu biegen. Währenddessen haben wir Emma umgeparkt und beim Anlassen die Probleme bemerkt. Der Geistesblitz kam schnell. Der Tankwart hat Benzin eingefüllt und die nächste Stadt war Khoy (dort, wo wir Geld getauscht hatten). Ich war selten im Leben so sauer. Mein Körper war energiegeladen, der Kopf voller Aggressionen. Ich habe gebrodelt und wollte explodieren. Dadurch lösen sich die Probleme aber auch nicht. Wir haben die Fahrräder angeschlossen und sind betend, dass alles gut geht, die 25 km zurück nach Khoy gefahren. Dort haben wir die erste Werkstatt aufgesucht. Masoud, der Mechaniker, konnte türkisch. Also haben wir unsere Familie in Cavusin angerufen, die dann alles für uns übersetzt hat.

Emma lief nur noch auf 3 Zylinder. Wir wussten, dass es evtl. unsere letzte Fahrt mit Emma war. Wir waren am Boden zerstört. Masoud war so freundlich und hatte uns in ein Hotel gefahren. Am nächsten Tag gegen Mittag sollte er uns wieder abholen und dann sagen, ob es zu reparieren ist und was es kostet. Wir sind nur noch völlig erschöpft ins Bett gefallen. Die Anspannung lag sofort nach dem Aufstehen in der Luft. War dies die letzte Fahrt mit Emma? Wir wissen, dass wir uns demnächst von ihr verabschieden müssen, aber jetzt? Punkt 12 Uhr vor unserem Hotel kamen die Jungs angerauscht, nicht in ihrem Auto, sondern in Emma. Ich wollte schreien, fremde Menschen drücken und im Kreis springen. Ich habe mich dann doch dafür entschieden meine Tränen zurückzuhalten. Wir sind dann zur Werkstatt haben den Fahrradträger repariert und Masoud hatte uns dann noch zum Mittagessen eingeladen. Heute war Weihnachten für uns!!! Was die Jungs an der Emma repariert haben, werden wir nie erfahren. Dafür konnten wir zu wenig miteinander sprechen. Aber das ist egal. Es hat auch nur 3 Millionen gekostet. Das sind zum Glück nur 27 €. Dafür schaut sich ein Automechaniker noch nicht mal dein Auto an. Wir hingegen haben einen Ölwechsel, Benzin abpumpen, 2 Fahrten durch Khoy und ein Mittagessen bekommen. Willkommen im Iran! Das wohl beste Land um solch‘ eine Katastrophe zu meistern.

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